App-grade your products and processes: Dritter und letzter Teil von „Was iPhone und iPad für Versicherer bedeuten“ (III/III)
DVAG, ein deutscher Versicherungsvertrieb, hat kürzlich 1000 iPads gekauft, die als Präsentations- und Beratungsinstrument in Kundengesprächen eingesetzt werden (Link zur Pressemitteilung). Bezeichnend dabei ist: Vertriebe erkennen das Potential solcher Geräte in der Kundeninteraktion. Wir sind gespannt, wie die Apps aussehen werden, die von Vertriebsgesellschaften entwickelt werden.
Letzthin las ich in einem Bericht, dass die „app-gradability“ ein zentrales Feature aller denkbaren Produkte und Prozesse in den nächsten Jahren werden wird (siehe EU Consumer 2020 Report, IMRWorld, Mai 2010). Gemeint ist die Möglichkeit, den Lebenszyklus eines physischen Produkts durch ein regelmässiges „Upgrade“ über eine entsprechende Applikation zu verlängern. Dies ist einerseits darum interessant, weil physische Produkte so länger verwendet werden können. Andererseits erlaubt die app-gradability eines Produkts oder Prozesses auch die Integration ganz neuer Funktionalitäten, die für den Kunden wertvoll sind.
Was ist denn der app-grade einer Heizung? Oder von Aromat? Oder was könnte ein passendes app-grade zum Thema Frühintervention sein?
Könnte man sich zum Beispiel vorstellen, dass mein Krankenversicherer mir zu meinem telcare-Modell eine Doktor-App zur Verfügung stellt? Diese App umfasst ein Handbuch rund ums Thema Gesundheit und integriert gleichzeitig alle dahinter liegenden Netzwerke. Im Falle eines Falles werden mir die ersten relevanten Fragen bereits durch die App gestellt, meine Antworten direkt ins Call-Center übermittelt und ich direkt mit einem Spezialisten verbunden.
Oder könnte man sich dieses Szenario vorstellen: Mein Versicherer stellt mir als Hausbesitzer eine App zur Verfügung, die mir als Wartungshandbuch dient. Nebst Wartungsanleitungen, -erinnerungen und einer Reihe wirkungsvoller Grossmutter-Tricks finde ich hier für jede mögliche Schadenkategorie eine Anleitung, wie ich am besten reagieren soll, wo ich die richtigen Partner finde.
Ebenfalls denkbar eine ähnliche App für Eltern von Kleinkindern. Die App informiert über Unfall- und Gesundheitsrisiken und leitet das Elternpaar in Ernstfällen an, wie am besten geholfen werden kann. Ebenfalls integriert sind Bestellmöglichkeiten für spezifische Schutzlösungen und – nicht zu vergessen – web2.0-Features.
Und was könnte man unter einer Schadenmanagement-App verstehen?
Vorstellen könnte man sich z. B. eine App, die der Schadeninspektor auf dem iPad installiert hat und die es einfach ermöglicht, den Kunden über zukünftige Schutzmöglichkeiten aufzuklären. Vielleicht ist dies im Kern gar keine Schadenmanagement-App, sondern eher die Türöffner-App nach dem Schadenfall?
Ich bin mir sicher, dass sich hier ein weites Feld öffnet, das noch weiter wird, sobald man sich von den klassischen Prozessen im Versicherungsumfeld löst. Ich gehe jetzt mal in die Ferien und melde mich danach wieder mit Überlegungen dazu, wie man diese Ideen in ein wertschöpfendes Vorgehen giessen könnte.
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